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Schüler kochen mit Senioren ihr Süppchen

Die Mädchen und Jungen der 2. Oberschule Am Schacht beweisen seit Jahren: Alt und Jung passen doch zusammen.

Unter Leitung von Martina und Laura Göpfert entstand gemeinsam mit Schülern der Oberschule Am Schacht und Bewohnern des Großenhainer Seniorenheims Pro Civitate ein Kochbuch. © Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus // SZ 12.03.2020

Großenhain. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Damals, als sich Noah Pfützner und Ina Schubert kennen lernten. Während er sich schon den einen oder anderen Ratschlag bei der lebenserfahrenen Frau eingeholt hat, genießt sie seinen Witz und er ihr Lachen. Dass den Großenhainer Schüler und die Rentnerin über sechs Jahrzehnte trennen – was macht das schon? „Ina ist noch immer meine richtig gute Freundin! Ich komme sie regelmäßig besuchen, wir schwatzen und tauschen uns über vieles aus“, bekennt der 16-Jährige und guckt, als sei das die normalste Sache der Welt.

Für Noah und vieler seiner Schulkameraden ist es das tatsächlich. Bereits seit 2012 verbindet die Mädchen und Jungen der 2. Oberschule Am Schacht eine intensive Beziehung mit der Seniorenresidenz „Pro Civitate“ auf der Großenhainer Mozartallee. Regelmäßig besuchen die Schüler einige der 68 Bewohner. Man redet und spielt zusammen, bäckt Kuchen zum Sommerfest oder erfreut sich Weihnachten mit kleinen Geschenken.

Im wahrsten Sinne des Wortes in diesen Lebensabschnitt hineinzuriechen, tue beiden Seiten gut. Nicht jeder der Kinder hätte mehr das Glück, eine Oma oder gar einen Uropa zu haben. Und nicht zu jedem der älteren Herrschaften käme zum Sonntagskaffee das Enkelchen.

„Da ist der Kontakt zu unseren Oberschülern Gold wert! Sie bringen Schwung in die Bude und unsere Bewohner freuen sich schon ein paar Tage vorher darauf“, bekennt Steffen Kummerlöw. Wie der engagierte Leiter der Seniorenresidenz betont, profitierten beide Seiten von den regelmäßigen Kontakten.

Einfach nur lecker und für die Ewigkeit: Alle Rezepte, die von den Senioren und Schülern ausprobiert wurden, befinden sich in diesem Kochbuch der Generationen.  © Anne Hübschmann

Intensive Kontakte, aus denen in der Vergangenheit bereits mehrere Projekte erwachsen sind. Entstanden bereits ausgewählte Fotos der Bewohner, welche dann auch in einer Ausstellung gezeigt worden sind, erfreute man sich in dieser Woche nun an der erfolgreichen Beendigung eines nächsten Vorhabens: Gemeinsam kochten sich Schüler und Senioren gewissermaßen durchs Jahr.

Eine wunderbare Erfahrung, wie die beiden Projektleiterinnen Martina und Laura Göpfert beschreiben. Zehn Hausfrauen, geprägt von Krieg und Zeiten, in denen sie vielleicht auch mal nicht so viel auftischen konnten, hätten den jungen Leuten begeistert Rede und Antwort gestanden.

Einkaufszettel seien zusammen geschrieben und Zutaten besorgt worden. Dass Speck und Zwiebel mal kleiner oder größer geschnitten werden könne, lernten die Nachwuchsköche dabei ebenso wie den einen oder anderen Kniff beim Rollen einer leckeren Roulade.

Im Gegenzug hätten es die erfahrenen Köchinnen nun aber auch wissen wollen. Etwa was es mit der zurzeit trendigen vegetarischen Kost auf sich hätte, wie Gemüse-Spinat-Lasagne vor pampiger Konsistenz bewahrt werden kann oder verschiedene Aufstriche auf selbst gebackenes Brot begeistern können.

Gleich nun, ob das klassische Schnitzel mit Spargel, Krautnudeln, Königberger Klopse oder der neugierig machende Gurkenmatsch. Alle Gerichte nebst Rezepten und Anleitung zur erfolgreichen Zubereitung finden sich in einem eigens gedruckten Kochbuch der Generationen wieder. Ein Beleg aus lukullischen Erinnerungen für die Ewigkeit und eine Herzensangelegenheit aller Mitstreiter zugleich.

Noah war selbstverständlich einer von ihnen. Und: er wird bald etwas mehr sein! Ab 1. September wird der Schüler bei Pro Civitate die Ausbildung zum Pflegefachmann beginnen. Ein Umstand, den Freundin Ina gewiss erfreuen wird.