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Cowboy und Indianer im Seniorenzentrum

Wenn das Großenhainer Pro Civitate zum Sommerfest einlädt, dürfen sich die Bewohner freuen – und sind einfach nur glücklich.

Von Catharina Karlshaus

Bewohnerin Charlotte Lehmann im Kreise ihrer Lieben: die leitende Ergotherapeutin Josephine Schwark, Einrichtungsleiter Steffen Kummerlöw, Sekretärin Ines Griesel und der ehrenamtliche Mitarbeiter Patric Müller.

© Kristin Richter

Großenhain. Darauf kann sich Steffen Kummerlöw etwas einbilden. Immerhin ist er mit Sicherheit der einzige Leiter eines deutschen Seniorenheimes, der mit Revolver und Handschellen in den Hosentaschen durch die Einrichtung laufen darf. Allerdings: An diesem Freitagnachmittag gehört seine Aufmachung sozusagen zum Pflichtprogramm. Das Seniorenzentrum Pro Civitate auf der Großenhainer Mozartallee hat zum traditionellen Sommerfest eingeladen und nimmt das Motto „Im Wilden Westen“ wörtlich.

Mit ihrer ansteckenden Begeisterung und dem unübersehbaren Engagement für ihre Bewohner haben die beiden Männer an der Spitze ihre Mitstreiter zur Kostümierung jeglicher Art überreden können. Steffen Kummerlöw und sein Stellvertreter Daniel Zschau kleben nicht umsonst Cowboy-Hut bedeckt als fotografischer Hingucker an der Tür zum großen Wiesensaloon. Flankiert von hübschen Indianer- und Westernmädchen – im wahren Leben Schüler an der Partner-Oberschule Am Schacht – ist es tatsächlich der Eingang zu einer anderen Welt. Eine, für die sich die Mitarbeiter der beiden Pro Civitate Einrichtungen in Großenhain und Meißen einiges haben einfallen lassen.

Aufwendige Dekorationen locken ebenso wie verschiedene Stände. Dass selbst Sabine Wende und Marion Kotte vom Sanitätshaus Medicare Meißen stilecht im zünftigen Westernoutfit erschienen sind – an diesem Nachmittag verwundert nichts. Alle geben sich beschwingt dem Sommerfestcharakter hin.

Eines, das nicht zuletzt durch seine Macher mittlerweile Kultstatus besitzt. Eine Reise in die DDR? Ein launiger Aufenthalt am Strand? Zu Gast bei Max und Moritz oder gemeinsam sich der Lust des Wanderns hinzugeben? Im Pro Civitate werden diese Träume für ein paar Stunden Wirklichkeit. „Es ist das zweite Fest, das wir jetzt hier miterleben. Wir sind absolut begeistert, denn besser hätten wir es wirklich nicht treffen können“, sagt Ramona Thomas. Gerade hat sich ihre Mutter gewissermaßen mitten in der Prärie von Oberschüler Domenik Carius fotografieren lassen. Eine tolle Erinnerung an eine Kurzreise inmitten von Marterpfahl, Indianerzelten und Goldwäsche, die der 15-Jährige auch sofort als Postkarte ausdruckt.

Doch damit nicht genug. Das nächste Motiv ist schon in Sicht. „Ich kann es gar nicht glauben“, lacht Charlotte Lehmann und die zwei bunten Federn auf dem Kopf der Seniorin wippen. Zwei Pferde, eigens durch Mitarbeiterin Petra Pankow von der Bunten Pferdewelt Seilitz herangeschafft, begeistert die Bewohner und Gäste. „Da rauf schaffe ich es zwar nicht mehr, aber ist das nicht herrlich, dass wir sogar Tiere bei uns haben?“ freut sich ein durchaus noch rüstiger Mann und lacht.

Eine Freude, auf die es Steffen Kummerlöw und seinem Team ankommt. Genau für diese Gemütsregung, für das glucksende Lachen im Gesicht der oftmals durch Krankheiten, Schicksalsschläge oder altersbedingte Blessuren beeinträchtigten Menschen, wird an diesem einen Sommertag alles aufgeboten. „Schaut genau hin, jetzt geben die Line-Dancer aus Dresden alles“, ruft der Hausherr lautstark durchs Mikrofon. Er und seine Mitarbeiter haben es auch getan. Wieder einmal alles gegeben. Bei azurblauem Himmel, 29 Grad und einer Stimmung, auf die im Wilden Westen jeder Cowboy und Indianer neidisch wäre.

Quelle: SZ vom 30.06.2018