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Affenschaukeln sind kein alter Hut

Über einen Besuch des christlichen Kindergartens St. Katharina beim „Thementisch“ im Altenheim Pro Civitate schreibt die Kindergartenleiterin Ulrike Vogt:

sz21.03.2015
Die Kinder des christlichen Kindergartens St. Katharina in der Herrmannstraße pflegen eine lebendige Nachbarschaft mit den Bewohnern und Bewohnerinnen des Seniorenzentrums Pro Civitate an der Mozartallee. Jeden Monat sind die Kinder im Heim zu Besuch. Dabei haben sie immer Lieder, Kreisspiele oder kleine Theaterstücke im Gepäck. Besonders gern aber machen sie sich auf den Weg, wenn im Seniorenzentrum wieder ein „Thementisch“ gedeckt ist. Verantwortlich dafür ist die leitende Ergotherapeutin Josephine Schwark. Mit ihren Kolleginnen legt sie dazu Materialien verschiedener Art aus früheren Zeiten bereit. Die alten, oft von Demenz betroffenen Menschen, begegnen z. B. mit einer alten Kaffeemühle oder dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee ihrem Leben in jüngeren Jahren. „Das Anregen der verschiedenen Sinne beeinflusst das Wohlbefinden sehr positiv“, so Josephine Schwark. Menschen, die sich sonst nicht gut im heutigen Alltag zurechtfinden, „reisen“ mit Hilfe des Riechens unterschiedlicher Düfte, des Fühlens von Stoffen oder alten Geräten in ihren Händen in ihre eigene Vergangenheit – und sind plötzlich sehr wach und in „ihrer“ Zeit zu Hause.

Am vergangenen Donnerstag hatte das Seniorenzentrum nun zum Thementisch „Altes Handwerk“ eingeladen. Etwa 25 Kinder und alte Menschen versammelten sich um eine lange Tafel. Dass der Altersunterschied zwischen Alt und Jung oft 80 Jahre und mehr beträgt, stört niemanden. Herzlich gehen die Senioren auf die Kinder zu, beginnen Kinder zu plappern, werden neugierig. Berührungsängste gibt es kaum. Werkzeuge, eine Schreibmaschine, ein alter Fernseher und Hüte liegen bereit. Bald wird ausprobiert, in die Hände genommen, entstehen Gespräche zwischen den Generationen. Jungs bekommen einen Hut auf den Kopf gesetzt und werden begutachtet. Es geht lebhaft zu. Alle sind angeregt und wach bei der Sache. Interessant wird es, als Fotos von Frisuren aus den Kindertagen der Senioren gezeigt werden. Wer weiß noch, was „Affenschaukeln“ sind und kann sie auch frisieren? Die Mädchen mit langen Haaren sind nun gefragt. Jede alte Dame möchte eines abbekommen, möchte kämmen und flechten. Am Ende zeigen die Kindergartenkinder stolz ihre Köpfe.
Mit Apfelsaft und strahlenden Gesichtern geht ein fröhlicher Vormittag zu Ende.

Quelle: Sächsische Zeitung, sz-online.de – 21.02.2015